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Buchtipp. Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber

1/10/2019

by

Nabhomani Kirsten

Buchtipp. Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber. Leseprobe und Video.

Dieser Text ist dem Buch "Gemeinwohl-Ökonomie" zum Zwecke dieser Buchempfehlung entnommen.

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...Einige Nachrichten dieser Tage: Die Stadt Stuttgart hat vier Kommunalbetriebe gemeinwohlbilanziert und sich damit als „deutschlandweite Vorreiterin“ platziert

1 Greenpeace Deutschland stellte seine erste Gemeinwohl-Bilanz vor, als ungefähr 500. Organisation weltweit. Im März 2017 erhielt die Gemeinwohl-
Ökonomie den ZEIT-WISSEN-Preis „Mut zur Nachhaltigkeit“ in der Kategorie Wissen. Im Juni startete der erste Lehrstuhl
Gemeinwohl-Ökonomie an der Universität Valencia. Zuvor hatte der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss eine Initiativstellungnahme zur Gemeinwohl-Ökonomie mit 86 Prozent der Stimmen angenommen.

2 Kein Wunder: 88 Prozent der Deutschen und neunzig Prozent der ÖsterreicherInnen wünschen sich laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung eine „neue Wirtschaftsordnung“.

3 Neun von zehn Menschen sind reif für den Wandel. Sie erkennenmehr und mehr, dass die Finanzkrise, die Klimakrise, die Verteilungskrise, die Sinnkrise, die Demokratiekrise und die Wertekrise Symptome einer „ganzheitlichen“ Systemkrise sind. Reformen genügen nun nicht mehr, es braucht eine neue Vision. Offen ist, wohin die Reise gehen soll: in Richtung Solidarische Ökonomie mit nur noch Genossenschaften? In Richtung Commons
oder Allmenden, den Gemeinschaftsgütern, die ganz ohne Marktlogik auskommen? In Richtung Postwachstumsökonomie, die, radikaler als die ökosoziale Marktwirtschaft, Schrumpfungsziele vorgibt? Oder in Richtung Wirtschaftsdemokratie, um die Superkonzentration von Eigentum und Macht, den „Superkapitalismus“ und die „Supergrundrechte“ für juristische Personen – vulgo Großkonzerne – zu stoppen? Die Gemeinwohl-Ökonomie sagt: Es braucht von all diesen Ansätzen mehr als heute: Die Wirtschaft muss menschlicher, sozialer, verteilungsgerechter, nachhaltiger, demokratischer – rundum ethischer
werden: gemeinwohlorientierter. Einige der Erstreaktionen waren: „Gemeinwohl-Ökonomie, das ist doch ein Widerspruch in sich!“ Heute sehen wir das anders. Im Lauf der sieben Jahre sind viele weitere Quellen aufgetaucht, die das GWÖ-Modell zu einem kohärenten Mosaik zusammengefügt haben: Die Überzeugung,
dass die Wirtschaft nur ein Mittel ist, das höheren Werten verpflichtet ist, hat es praktisch immer gegeben, zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Die merkwürdige Tatsache, dass die Wirtschaft heute ganz anders funktioniert und auch anders gelehrt wird, deutet auf ein weiteres Kernproblem hin: die akademische Wirtschaftswissenschaft oder „economics“. Sie hat sich mathematisiert und verirrt, auf einen trügerischen Fluchtpunkt hin: finanzielle Kennzahlen und Geldwerte. Doch Geld ist nur das Mittel, das dem Gemeinwohl dienen soll, so wie Unternehmen, Investitionen, Kredite und die ganze Wirtschaft. Die „ökonomische Wissenschaft“ hat es zuwege gebracht, Ziel und Mittel zu verwechseln. Und sich dabei in eine nichtökonomische Wissenschaft zu „pervertieren“. Das sind die Worte von Aristoteles. Er hat messerscharf zwischen zwei Formen, Wirtschaft zu denken und zu praktizieren, unterschieden: Während die „oikonomia“ das gute Leben für alle zum Ziel hat (in einem menschlichen oder volkswirtschaftlichen Haushalt) und das Geld dabei ausdrücklich nur als Mittel verwendet, bezeichnet er eine Wirtschaftsform, in der Gelderwerb und Geldvermehrung zum Selbstzweck werden, als „chrematistike“ und kritisiert sie als „widernatürlich".

4 Die Wirtschaftswissenschaft hat sich, in dem Maße, in dem sie sich für Renditen, Profite und das BIP interessiert und „Effizienz“ mit einer effizienteren Kapitalverwertung oder -vermehrung gleichsetzt, in eine Chrematistik verwandelt – und ist gar keine Ökonomie mehr. Zumindest nicht im Sinne von Aristoteles.
„Oikonomia“ könnte trefflich mit Gemeinwohl-Ökonomie übersetzt werden, das Gemeinwohl ist inhärent im Begriff enthalten; die vielfältigen Versuche, die Attribute „sozial“, „ökologisch“, „nachhaltig“, „human“, „fair“, „gerecht“, „demokratisch“ oder „ethisch“ zu ergänzen, sind nur Zeugnis davon, dass es den Chrematisten gelungen ist, den Begriff „Ökonomie“ seines ursprünglichen Sinns zu berauben und mit „widernatürlichen“ Inhalten anzufüllen. Zum Glück sind einigen ÖkonomInnen diese Unterscheidungen und Pervertierungen bekannt, und sie haben sich starkgemacht für eine „Gleichgewichtsökonomie“ (Herman Daly), „Ökologische Ökonomie“ (Joan Martínez-Alier), „Postwachstumsökonomik“ (Niko Paech), „doughnut economics“ (Kate Raworth), Gemeingüter-Ökonomie (Elinor Ostrom), Geschenk-Ökonomie (Genevieve Vaughan) oder Care-Ökonomie (Mascha Madörin). Aus studentischen
Kreisen sind zunächst in Frankreich die „postautistische Ökonomie“ entstanden und später weltweit die Gesellschaft für plurale Ökonomik. Das sind viele Lichtschimmer am Horizont, doch der Mainstream ist immer noch fest im Griff der Chrematisten. Bezeichnend für den Irrweg der Wissenschaft ist der „Wirtschaftsnobelpreis“ – den es gar nicht gibt. Alfred Nobel hatte den von ihm gestifteten Preis ausdrücklich für naturwissenschaftliche Disziplinen ausgelobt – und sich ebenso klar gegen einen Preis für „economics“, einer Sozialwissenschaft, ausgesprochen. Der Anerkennungspreis der schwedischen Reichsbank kam erst 1968 hinzu, gegen den Willen der Erben von Alfred Nobel, es handelt sich um eine Mischung aus Usurpation und Etikettenschwindel – um einen doppelten: Neun von zehn ausgezeichneten WissenschaftlerInnen sind viel eher der Kaste der Chrematisten zuzurechnen als jener der Ökonomie: weder Nobelpreis noch Ökonomie also. Hinter diesem „genialen PR-Coup“ (Ulrike Herrmann5) verstecken sich mächtige Ideologien und ein Ringen um die gesellschaftlichen Machtverhältnisse. Die Gemeinwohl-Ökonomie möchte eine neue Wirtschaftstheorie begründen, sie will die Praxis des Wirtschaftens ändern, und sie möchte den passenden Rechtsrahmen schaffen, damit ethische und umfassend verantwortungsvolle Wirtschaftsakteure und -tätigkeiten nachhaltig reüssieren können.
Als ganzheitliche Alternative ist die GWÖ a) ein konsistenter Theorieansatz: ein in sich schlüssiges Modell, b) ein breiter Beteiligungsprozess, der allen kreativen und kooperativen Reformwilligen offensteht, und c) ein demokratischer Umsetzungsvorschlag.Dafür hat die GWÖ ein Demokratie-Verständnis entwickelt, das den Menschen mehr zutraut, als alle vier oder fünf Jahre ein Kreuzlein für eine Partei abzugeben. Die Idee einer „Souveränen Demokratie“ ist die Zwillingsschwester der Gemeinwohl-Ökonomie. Sie könnte zu ihrer entscheidenden Geburtshelferin werden, nachdem viele tausend Menschen, Unternehmen, Gemeinden und wissenschaftliche Einrichtungen den Boden aufbereitet haben für einen tiefreichenden und wertgeleiteten Wandel in Wirtschaft und Politik. Seit Erscheinen der Erstausgabe im August 2010 ist „Die Gemeinwohl-Ökonomie“ in insgesamt zwölf Sprachen erschienen, darunter Französisch, Spanisch, Englisch, Polnisch und Finnisch. Die Umsetzungsbewegung erstreckt sich von Skandinavien nach Südamerika. Mehrere tausend Menschen sind weltweit aktiv geworden – in Regionalgruppen, Arbeitskreisen und Fördervereinen. Und es scheint erst der Anfang zu sein. Das Modell ist äußerst lebendig, es wird sowohl in der Praxis weiterentwickelt als auch durch geistige Befruchtung aus allen Richtungen. Die Bewegung, welche die Idee „kokreativ“ weiterentwickelt, ist so vielgesichtig und facettenreich, wie eine soziale Bewegung nur sein kann. Beim historischen „Zoomen“, ob die Ausbreitung der Gemeinwohl-Ökonomie mit anderen Ideen oder Initiativen vergleichbar ist, kam die Erinnerung an die Raiffeisen-Idee. In Zeiten des Hungers unter den Bauern entstand der erste Brotverein im Westerwald. Daraus wurde zunächst ein landesweites Netz aus Hilfsvereinen, dann folgten die Darlehenskassen. Heute gibt es genossenschaftliche Raiffeisen-Banken in 180 Staaten der Erde. Die GWÖ entsteht nicht in einer Zeit des Brothungers, aber des Sinnhungers. Manche sprechen bereits von einer sich auswachsenden Sinnhungerepidemie. Täglich steigen Erfolgsmenschen aus Top-Positionen des „alten Systems“ aus, weil sie keinen Sinn und sich nicht als Menschen erfahren. Die GWÖ bietet Sinn, Menschlichkeit und echte Nutzwerte an. Wie es in einer richtigen „oikonomia“ sein soll!

Machen auch Sie mit! Werden Sie Teil der Veränderung, die Sie in der Welt sehen wollen!

Ein YouTube Video von Christian Felber zur Gemeinwohl-Ökonomie mit dem Thema: "Wirtschaft neu denken."

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Nabhomani Kirsten

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